Seit meiner Kindheit träumte ich davon, Klavier zu spielen. Zwei Jahre nach dem ersten regelmäßigen Unterricht bei Irina Scherbakowa begann ich dann, während meines Abiturs in Bochum eigene Stücke zu schreiben. Doch entschied ich mich zunächst für Musikwissenschaft und Kunstgeschichte, schließlich für Kulturwissenschaft im Master an der HU-Berlin, den ich mit Exzellenz absolvierte. Eine Zeit lang arbeitete ich beim Dokumentarfilm und war in der App-Entwicklung tätig – alles multimediale Anwendungen meiner interdisziplinären Studieninhalte. 

 

Die Musik jedoch hörte nie auf, mich zu bewegen und forderte meine volle Aufmerksamkeit bei der ersten Gelegenheit, die sich bot. 2015 kehrte ich zu meinen Kompositionen fürs Klavier zurück, schloss einige ab, schrieb neue und machte erste Aufnahmen. Parallel dazu entwickelte ich das experimentelle Format Klaviermeditationen – Piano Prayers, bei dem ich am Klavier improvisiere, während die Teilnehmer anregende Kurzfilme sehen, Tee trinken, manchmal auch singen und tanzen. In diesem Raum entstehen oft Wunder und kein “Konzert” ähnelt dem anderen.

Die kristalline Struktur der Komposition und der unmittelbare Fluss der Improvisation bilden die Achse meines künstlerischen Schaffens, um die sich Aspekte wie Synästhesie, Achtsamkeit und Transformation drehen.

 

Zeitgleich entwickelte ich ein Unterhaltungsprogramm für die Bühne, das sich mit meiner russischen Heimat auseinandersetzt. Im fernen Osten Russlands geboren und bis zum elften Lebensjahr aufgewachsen, sah ich meine Heimat 20 Jahre lang nicht. Bei den Konzerten mit russischen Liebesliedern präsentiere ich mich als Sänger und Entertainer, der zwar mit Klischees spielt, jedoch auch die Schönheit und den Geist der russischen Melancholie zu würdigen weiß. Dabei interpretiere ich nicht nur bekannte oder vergessene russische Lieder neu, sondern schreibe auch eigene Songs auf Gedichte meines Vaters Peter Sobolew, die  sich langsam zu einem Album entwickeln. Dieses Projekt ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen der Heimat, Identität, Familie, Natur und Liebe, die, so konkret sie auch verortet sein mögen, am Ende uns alle angehen und berühren.